Die Europäische Kommission fordert Albanien nachdrücklich auf, die Umweltgesetzgebung zu verbessern und die Institutionen, die das Gesetz umsetzen, zu stärken.
Im Fortschrittsbericht 2025 stellt die EU fest, dass im Kapitel 27 zum Thema Umwelt keine Fortschritte erzielt wurden, und hebt gravierende Schwächen in den Bereichen Planung, Investitionen und öffentliche Transparenz hervor.
Der Bericht hebt hervor, dass die institutionellen Kapazitäten für strategische Planung, Investitionen und Koordinierung in Umweltfragen weiterhin schwach sind.
Umweltverträglichkeitsprüfungen gelten als qualitativ minderwertig, und institutionelle Empfehlungen werden selten umgesetzt oder überwacht. Die Beteiligung der Öffentlichkeit an Entscheidungsprozessen wird als minimal angesehen, und das Umweltrecht wird nur teilweise angewendet.
Lesen: Geschützte Landschaften werden an Investoren übergeben
Die Änderungen des Gesetzes über „Schutzgebiete“ werden mit Sorge um die Umweltsituation betrachtet. Laut Bericht führten sie zur Zerstörung natürlicher Lebensräume und zur Schwächung der Kontrollkapazitäten im Bereich der Umweltkriminalität.
Als Beispiel nennt die Kommission den Bau eines Ferienresorts in der geschützten Landschaft Bunë-Velipoja, trotz lokaler Proteste und der Aufnahme des Gebiets in das Natura-2000-Netzwerk.
Der Bericht kritisiert die Verlängerung des Gesetzes über strategische Investitionen bis 2027 und bringt diese mit dem zunehmenden Druck auf Schutzgebiete in Verbindung. Er hebt außerdem den Bau des Flughafens Vlora im Gebiet Pishë Poro-Nartë hervor, trotz wiederholter Aufforderungen der Berner Übereinkunft, die Bauarbeiten auszusetzen.
„Trotz der Aufforderung des Ständigen Ausschusses der Berner Übereinkunft im Dezember 2023 und Dezember 2024, die Arbeiten bis zur Durchführung eines neuen und ausreichenden Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahrens auszusetzen“, im Bericht hervorgehoben.
Lesen: Wenn Natur auf Beton trifft: Der hohe Preis des Flughafens Vlora
Laut Kommission haben begrenzte finanzielle Mittel, häufige Entlassungen von Mitarbeitern und ein Mangel an Fachkompetenz die Zentralverwaltung geschwächt.
Die Untersuchungen zur Müllverbrennungsanlage in Tirana und die Problematik der aus Thailand zurückgeführten gefährlichen Abfälle sind nach Ansicht der Kommission weiterhin Beispiele für eine Glaubwürdigkeitskrise im Umweltmanagement.
„Die Untersuchung von 102 Containern mit mutmaßlich giftigen Abfällen, die im Oktober 2024 aus Thailand zurückgebracht wurden, ist noch im Gange.“ heißt es im Bericht.
Weitere Umweltbedenken
Das Berggebiet-Abkommen wird als Gesetz beschrieben, das Wälder und Weideflächen gefährdet und den Weg für großflächige Bauvorhaben ebnet. Laut Bericht haben illegale Abholzung und Jagd selbst in Schutzgebieten zugenommen.
Albanien hat Einwegplastik noch nicht verboten, und Projekte zur Abfalltrennung beschränken sich weiterhin auf lediglich ein Pilotprojekt in Berat.
Lesen: Ein Jahr des Schweigens zum Schmuggel gefährlicher Abfälle
Der Bericht fordert dringende Maßnahmen gegen illegale Müllentsorgung.
Auch das Wassermanagement birgt Probleme. Laut Bericht wurden von sieben Flussgebietsplänen nur fünf umgesetzt (Drin-Buna, Semani, Ishmi, Erzeni und Mati), während zwei (Shkumbini und Vjosa) noch ausstehen.
Laut Kommission hat Albanien in Bezug auf die Luftqualität keinerlei Fortschritte erzielt.
Lesen: „Mountain Package“, ein weiteres klientelistisches Gesetz
Es wird empfohlen, das Qualitätsüberwachungssystem auszubauen und zu verbessern, da es derzeit landesweit nur sieben automatische Stationen gibt und die meisten davon außer Betrieb sind.
Andererseits stellt der Bericht fest, dass Albanien noch keine strategischen Lärmkarten erstellt hat und über keine öffentlich zugänglichen Daten verfügt.
Im Bereich der Chemikalien hebt der Bericht das Fehlen eines angepassten Rechtsrahmens für deren Registrierung, Bewertung und Beschränkung hervor.
Lesen: Abfallwirtschaft versagt. Fangen wir neu an!
Ebenso bleibt die Anpassung an die EU-Klimanormen ohne nennenswerte Weiterentwicklung begrenzt.
Der Bericht stellt fest, dass das Klimagesetz aktualisiert werden muss, um dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 gerecht zu werden, während die Entscheidung, im März 2025 ein neues Kraftwerk zu bauen, die Erreichung dieser Ziele gefährdet.
Laut Kommission muss Albanien eine Strategie für kohlenstoffarme Entwicklung erarbeiten und den Klimawandel in die sektoralen Politiken integrieren. Derzeit haben lediglich acht Gemeinden lokale Anpassungspläne erstellt.
Lesen Sie auch:
- Abfallgesetzentwurf: Zwischen begrenzter Transparenz und Gefährdung privater Interessen
- IUCN fordert Albanien zur Überprüfung des Schutzgebietsgesetzes auf
- Exklusiv: Jim Pucketts Aussage über Giftmüll aus Durrës in Thailand

Erisa Kryeziu hat ein höheres Studium in Journalismus und Kommunikation sowie einen Master of Science in Public Relations an der Universität Tirana abgeschlossen. Sie ist seit fünf Jahren Journalistin und Projektmanagerin bei Citizens.al, wo sie über soziale Themen und Menschenrechte berichtet, insbesondere über Fragen der Rechte am Arbeitsplatz, in der Bildung, der Gleichstellung der Geschlechter, Randgruppen, Menschen mit Behinderungen wie und für Umweltthemen. Gleichzeitig ist sie als Projektkoordinatorin mit Schwerpunkt Jugend- und Medienbildung tätig. Nutzer neuer Berichterstattungstechniken wie „Mobile Journalism“ und Bürgerengagement-Tools in der Berichterstattung (ECR-Engage Citizens Journalism).