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Der Brand, der die Bauprobleme in Tirana offenlegte

Blick vom abgebrannten Gebäude der Apotheke Nr. 10, Dibra-Straße

Einen Tag nach dem Brand, der ein 12-stöckiges Gebäude im "Arlis"-Komplex, in der "Farmacia 10" in der Dibra Street, erfasste, haben die Ermittlungen erste Ergebnisse erbracht: Vier Personen wurden festgenommen und gegen vier weitere wird wegen Verstoßes gegen Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz und fahrlässiger Sachbeschädigung ermittelt.

Die Polizei gab heute die Festnahme des Verwalters des Gebäudekomplexes, des Leiters eines Marktes im ersten Stock, des Bauleiters und des Geschäftsführers der Fassadenbaufirma bekannt. Gleichzeitig wurden Ermittlungen gegen den Eigentümer des Komplexes, den Bauunternehmer und die Angestellten des Marktes eingeleitet.

Nach ersten Erkenntnissen wird vermutet, dass das Feuer im hinteren Bereich des Marktes ausbrach, wo sich Abfall angesammelt hatte, der nicht beseitigt worden war. Es besteht außerdem der Verdacht, dass der Verwalter des Komplexes die Funktionsfähigkeit der Brandschutzanlagen nicht überprüft hatte.

Die Opferzahlen sind weiterhin hoch: Elf Menschen wurden verletzt, und Dutzende Familien sehen sich bereits mit erheblichen Sachschäden konfrontiert. Doch neben den individuellen Verantwortlichkeiten, die derzeit untersucht werden, hat die Dynamik des Brandes ein tieferliegendes Problem aufgeworfen: die Art und Weise, wie Gebäude in Tirana errichtet und kontrolliert werden.

Mangel an Regeln und Kontrolle

Obwohl die ursprüngliche Ursache auf einen möglichen Unfall zurückzuführen ist, hat die Geschwindigkeit, mit der die Flammen die Fassade erfassten und sich vertikal ausbreiteten, ernsthafte Fragen hinsichtlich der Sicherheit des Gebäudekomplexes „Arlis“ und der gesamten Bauweise von Fassaden neuer Gebäude aufgeworfen.

Die Fassade war mit Wärmedämmstoffen wie Polyurethan verkleidet, die aufgrund ihrer Energieeffizienz weit verbreitet sind. Dieses Material ist zwar nicht verboten, wirkt aber im Brandfall als Brandbeschleuniger und trägt zur Ausbreitung des Feuers von Stockwerk zu Stockwerk bei.

Gleichzeitig muss jedoch erwähnt werden, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Vor fünf Jahren geriet die Fassade eines anderen Gebäudes im selben Komplex während der Bauarbeiten in Brand, ohne dass offensichtliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden waren.

Experten betonen, dass das Problem nicht nur im Material selbst liegt, sondern auch im Fehlen eines klaren Rechtsrahmens für dessen Verwendung.

Die Stadtplanerin Doriana Musai erklärte gegenüber Citizens.al, dass Materialien wie Polyurethan die Ausbreitung von Flammen beschleunigen und das Eingreifen der Feuerwehr sehr erschweren.

„Wir haben keine Maßnahmen ergriffen, um solche Materialien an Fassaden zu verbieten. Europa regelt, wo sie verwendet werden dürfen, oder konstruiert sie so, dass sie sich im Brandfall selbst isolieren können.“ sie erklärte.

Der Brandschutzingenieur Ervin Mici schätzt, dass mehr als 90 % der Gebäude in Tirana potenziell gefährliche Stoffe enthalten.

„Das Fehlen von Regeln und Kontrollen schafft eine Situation, in der jedes Material ohne wirkliche Einschränkungen verwendet werden kann.“ Das sagte er gegenüber Citizens.al und stellte die Art und Weise in Frage, wie das Internet in Albanien in den letzten 30 Jahren gebaut wurde.

Mici fügte hinzu, dass er und andere Experten auf dem Gebiet des Bauwesens in letzter Zeit an laufenden Treffen mit dem Innenministerium teilgenommen hätten, um ein Protokoll zu entwerfen, das darauf abzielt, viele bestehende Lücken zu schließen, darunter auch die Frage der Klassifizierung von Materialien.

„Wir wissen noch nicht, ob es ein Gesetz, eine Verordnung oder eine Richtlinie wird. Es ist noch nicht entschieden und die endgültige Festlegung wird Zeit in Anspruch nehmen.“ er fügte hinzu.

Individuelle Verantwortung oder Systemproblem?

Die von der Polizei vorgenommenen Verhaftungen lassen auf eine weitreichende Kette von Verantwortlichkeiten schließen, die von der täglichen Verwaltung des Gebäudes bis hin zu dessen Konstruktion und Gestaltung reichen.

Experten argumentieren jedoch, dass die Verantwortung nicht allein auf Einzelpersonen reduziert werden kann.

Laut Gesetz muss jedes Bauvorhaben einen Planer und einen Bauleiter haben, der die Materialien genehmigt. In der Praxis, so Ervin Mici, bleiben diese Rollen jedoch formal, während die eigentlichen Entscheidungen von Investoren oder Bauunternehmen getroffen werden.

„Wir wissen, dass in Albanien die Entscheidungen in der Regel vom Eigentümer getroffen werden, aber er ist ein Verwalter, kein technischer Leiter. Der technische Leiter sollte die Entscheidungen treffen, während der Vorarbeiter in Albanien eigentlich nur ein Techniker ist.“ Mici wies darauf hin und deutete damit an, dass auf diese Weise die Verantwortung nicht thematisiert werde.

In einer öffentlichen Reaktion auf das Ereignis erklärte Premierminister Edi Rama, dass das abgebrannte Gebäude vom Bauherrn wieder aufgebaut werde, und betonte, dass dies trotz der Tatsache geschehen werde, dass die Brandursache nicht mit ihm in Verbindung stehe.

Experten zufolge geht dieser Ansatz jedoch nicht auf das grundlegende Problem ein: Baunormen und die Kontrolle über Baumaterialien. Diese Aspekte scheinen von Institutionen, die weiterhin über Bau- und Brandschutzprotokolle diskutieren, seit langer Zeit nicht mehr berücksichtigt worden zu sein.

Der Vorfall im Komplex „Arlis“ reiht sich in eine Reihe ähnlicher Vorfälle in Tirana ein, darunter der Fall im selben Komplex im Jahr 2021 oder der im Busparkgebiet im Jahr 2023, die keine merklichen Änderungen der Standards zur Folge hatten.

Die Wiederholung dieser Fälle deutet auf ein strukturelles Problem hin, bei dem Risiko keine Ausnahme, sondern Bestandteil des Konstruktionsmodells ist.

In diesem Zusammenhang geht es nicht mehr nur darum, wer den Brand verursacht hat, sondern darum, ob dieser Fall zu echten Veränderungen führen wird oder ob es sich um eine weitere Episode handelt, die mit formaler Verantwortlichkeit, aber ohne echte Reformen endet.

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